Allgemeine Zeitung Alzey

 

Jazz-Nomadin wird sesshaft

04.12.2010 - BECHTOLSHEIM

Von Barbara Mümpfer

NAHAUFNAHME Sängerin Elke Diepenbeck möchte in Bechtolsheim „Kulturscheune“ errichten

Das alte Bauernhaus mitten in Bechtolsheim ist so gemütlich, dass man gar nicht mehr vom hölzernen Esstisch im großen Wohnbereich aufstehen möchte. Freigelegte schwarze Balken kontrastieren mit Feldsteinen und weiß gekalktem Fachwerk, an den Wänden setzen große Drucke des Pop-Art-Künstlers James Rizzi farbenfrohe Akzente, und mittendrin vermittelt Hund „Buddy“, ein griechisches Findelkind, das auf dem Sofa schläft, den Eindruck von Ruhe und Behaglichkeit. Hier lässt es sich gut leben - und arbeiten auch.

Hausherrin Elke Diepenbeck hat nämlich noch viel vor mit dem Anwesen direkt neben der Ortsverwaltung. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Akustik-Gitarristen Roland Kalus, möchte sie im hinteren Teil des Hofes in einer alten Werkstatt und in ehemaligen Pferdeställen eine „Kulturscheune“ einrichten.

Musikalische Bandbreite: „Alles außer Klassik“

Die Voraussetzungen dafür sind günstig: Die 49-Jährige hat sich bereits einen Namen als Sängerin gemacht, tritt auf nationaler und internationaler Ebene gemeinsam mit bekannten Künstlern auf und wurde in mehreren Revuen als Schauspielerin mit viel Beifall bedacht. In Bechtolsheim will sie sich mit ihrer Gruppe „Ladies NYGHT“ am 12. Dezember mit einer „himmlisch glitzernden Weihnachtsshow“ vorstellen - und wer die drei Damen Elke Diepenbeck, Nanni Byl und Annika Klar schon einmal live erlebt hat, weiß, dass man sich auf ein großartiges Erlebnis voller Jazz, Soul, und südamerikanische Klänge freuen darf, das Mann und Frau, Alt und Jung gleichermaßen Vergnügen bereitet.

Natürlich kann eine Kulturscheune in Bechtolsheim erfolgreich sein - sagt Sängerin Elke Diepenbeck (im Hintergrund Nanni Byl von der Gruppe Ladies Nyght). Foto: photoagenten / Axel Schmitz

Die musikalische Bandbreite der schlanken Künstlerin ist groß: „Ich singe alles außer Klassik“, erklärt sie schmunzelnd, „Und ich singe alles gleich gern - Jazz ebenso wie Lieder amerikanischer Songwriter, Gospels, Pop und Rock“. Mit ihrer 15-köpfigen Band „Nightbirds“ sind die Power-Frauen von „Ladies NYGHT“ seit Jahren Publikumsmagnet des Wilhelmstraßenfests in Wiesbaden. Und wenn in den Mainzer Kammerspielen die überaus beliebten Zeitgeistrevuen auf dem Programm stehen, kann es sein, dass Elke Diepenbeck nicht nur die Vokal-Arrangements mit den Kolleginnen und Kollegen einstudiert, sondern auch selbst über die Bühne wirbelt.

Aber wie ist das: Jahrelang Auftritte in ganz Deutschland, gern auch mal eine Tournee mit dem Landesjugendjazzorchester Hessen nach Syrien - und jetzt häuslich werden und eine Kulturscheune in Rheinhessen einrichten? Elke Diepenbeck sieht darin keinen Widerspruch: „Seit dem 11. September 2001 und der Euro-Einführung haben es freischaffende Künstler immer schwerer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Hatte ich früher zwei bis drei Auftritte wöchentlich in Kultureinrichtungen oder bei Betriebs- und Privatfeiern, so waren es zum Schluss durchschnittlich ein bis zwei Engagements in der Woche.“ Zwar liegen für 2011 inzwischen wieder mehrere Anfragen vor. Aber ein solides Standbein daheim ist auch nicht zu verachten.

Gute Kontakte zu Sängern und Kabarettisten

Dennoch - kann eine Kulturscheune mit Unterricht für Gesang, Gitarre und Klavier, mit Workshops und einer Bühne für Kleinkunst und Kabarett im kleinen Bechtolsheim erfolgreich sein? „Natürlich“, sagt die Sängerin mit Überzeugung. Wir haben eine sehr nette Nachbarschaft, der Bürgermeister unterstützt unsere Pläne und es gibt hier viele Menschen mit Interesse an kulturellen Angeboten.“

Roland Kalus unterrichtet bereits drei kleine Gitarrenschüler aus der näheren Umgebung und Elke Diepenbeck hat gute Kontakte zu Sängern und Kabarettisten, die in Rheinhessen auftreten oder Workshops abhalten würden.

Und dann gibt es ja auch noch den schönen freien Hof zwischen den Gebäuden. Der, so überlegt das Künstler-Ehepaar schon jetzt, würde sich doch prima eignen zur Bewirtung von Gästen.